Der ehrgeizige Schlüssel

Es war einmal ein Schlüssel, der war so feinfühlig, dass er jede Erhebung und jede Vertiefung seines Schlosses genau spürte. Deshalb ging das Schloss immer sehr freundlich auf ihn ein, ohne Widerstand zu leisten. So lebten die beiden jahrelang in arbeitsamer Harmonie zusammen.

Trotz dieser Eintracht war dem Schlüssel das Leben auf die Dauer zu eng. Er wollte auch für andere Schlösser gut sein und mit ihnen größere oder schönere oder jedenfalls interessantere Türen auf und zu machen. Mal reizte ihn die Haustür, mal die schmiedeeiserne Gartenpforte, mal die Geldkassette. Und so mogelte er sich immer dann in die Hand des Menschen, wenn dieser gerade eine von ihm begehrte Tür öffnen wollte.

Doch immer, wenn er für einen anderen Zweck benutzt wurde als den, für den er bestimmt war, zeigte er sich wertlos, selbst ein gewöhnlicher Dietrich, ein Stück zurechtgebogener Draht übertrafen ihn in ihrer Mehrzweckfähigkeit.

Da der Schlüssel seinen Ehrgeiz nicht aufgab, nützten ihn die hoffnungslosen Versuche immer mehr ab und verformten ihn. Schließlich passte er auch nicht mehr in sein eigenes Schloss und wurde weggeworfen. Jetzt spielen die Kinder damit, aber nur zum Spaß, öffnen und schließen kann er auch für sie nichts mehr.

Verfasser unbekannt

Vielleicht hatte Gott von der Menschheit diesen Eindruck, als er beschloss in seinem Sohn das göttliche Wesen selbst auf die Welt zu schicken und seine Botschaft wieder einmal direkt unter die Leute zu bringen –

Die Menschen sind sich ihrer eigenen Begabungen und Gaben zwar bewußt, aber nicht der Aufgaben und Ziele, die der Schöpfer damit verbunden hat – sie wollen mehr – seit Anfang an – wie uns die Geschichte vom Apfel und der Schlange im Paradies ja so eindrücklich erzählen.

Und dann kommt der Schöpfer selbst und erzählt den Menschen noch einmal eindrücklich – in Geschichten, Zeichen und Wundern – wie er sie geplant und geschaffen hat; was gut für sie wäre und wie sie glücklich das Ziel ihres Geschaffenseins erreichen können.

Am Ende seines Lebens blickt Jesus von Nazareth zurück und legt vor dem, der  ihn auf die Erde geschickt hat, Rechenschaft ab:

Ich habe dich verherrlicht – heute würde man weniger theatralisch sagen – ich habe deiner Botschaft Gehör verschafft – ich habe dich den Menschen in positiver Weise  vermittelt.

Nun, da es hart auf hart geht, stell dich hinter mich und zeige den Menschen, dass ich auf dem richtigen Weg bin –

Denn wenn sie das verstehen, dann werden sie den selben Weg einschlagen und so wie ich bei und mit dir glücklich werden.

Den selben Weg wie Jesus gehen, heißt heute vielleicht:

  • Konsequent den Menschen und die Schöpfung in den Mittelpunkt stellen – so wie es Bischof Dom Erwin Kräutler in seiner Diözese tut – der der Geldgier der Energiekonzerne die Lebensinteressen der eingeborenen Bevölkerung und die Bewahrung der Lungen der Erde, des Amazonas-Urwaldes entgegenstellt – dafür riskiert er täglich sein Leben.

  • Konsequent Gerechtigkeit leben – so wie es heute ein indisches Dorf getan hat, dass die Leichen von zwei ermordeten Mädchen bewacht hat, damit die Täter sie nicht verschwinden lassen können und so ohne Strafe davon kommen.

  • Konsequent die Liebe leben – das heißt heute nicht das, was die Leute sagen zum Maßstab für Entscheidungen nehmen sondern das eigene Herz. So sollten wir uns, wenn die Liebe bricht, nicht in der Bitterkeit darüber vertiefen sondern helfen neue Liebe wachsen zu lassen – wo auch immer Gott sie schenken mag. Denn wo die Liebe wächst, da ist Gott – und er hält sich nicht immer an unsere Konventionen.

Und so erhält dann die Geschichte vom Schlüssel durch Jesus Christus ein neues Ende –

Als Gott den weggeworfenen Schlüssel sah, erbarmte er sich seiner und hob ihn auf – im Feuer seiner unendlichen Liebe schmolz er ihn ein und goß ihn erneut ihn seine ursprüngliche Form – er gab ihm wieder seine Feinfühligkeit, dass er jede Erhebung und jede Vertiefung seines Schlosses genau spürte.

Ob sich der Schlüssel diesmal damit zufrieden gab und glücklich wurde, ob er die vielen Möglichkeiten, die sich hinter seiner Tür eröffneten endlich wahrnahm, das ist eine andere Geschichte – das ist seine persönliche Geschichte mit dem Schöpfer – so wie jeder von uns auch eine persönliche Geschichte mit dem Schöpfer hat.Amen.

Jesus und Vorurteile

Lache nicht vorschnell über jemanden, der einen Schritt zurückgeht! Er nimmt vielleicht nur Anlauf.

Hieronymus (um 347 - 420), Sophronius Eusebius, katholischer streitbarer Schriftsteller, lateinischer Kirchenvater und Heiliger

Es kann große Konsequenzen für mich selbst haben, wenn ich meine Lebensentscheidungen von Vorurteilen abhängig mache. Denn meist sind sie nicht das Produkt von Schlamperei und Faulheit – das kann natürlich zuerst schon einmal so ausschauen. Es ist eben mühsam, einen Menschen so kennenzulernen wie er oder sie wirklich ist. Es kann anstrengend sein, sich über eine Angelegenheit eine eigene Meinung bilden zu müssen, und sich nicht einfach und schnell der gerade vorherrschenden Meinung anzuschließen. Es ist manchmal ziemlich anstrengend gerade gegen diese vorherrschende Meinung anzutreten – auch dann, wenn man überzeugt ist, dass die Masse in einem Punkt unrecht hat.

Warum?

Weil wir Menschen zum Angsthaben neigen – und die behaupten, sie hätten keine, sind nur besser im Verbergen! Denn keine Angst zu haben wäre leichtsinnig – sie ist unser inneres Warnsignal vor Gefahr.

Wir aber fürchten uns ja meist nicht vor echten Gefahren sondern haben Angst im Wettstreit Zweiter zu sein – und das kränkt unseren Ehrgeiz.

Wir haben Angst, eine Situation nicht zu durchschauen bzw überfordert zu werden, und das kränkt unsere Eitelkeit.

Wir haben Angst zuzugeben, dass wir uns mit etwas nicht auskennen und fragen müssten, oder Hilfe annehmen sollten und das kränkt unseren Stolz.

Und weil die Angst auch unser Ego ankratzt suchen wir einen schnellen Weg die vermeintliche Harmonie schnell wieder herzustellen – und da landen wir dann bei Vorurteilen: denn wir haben es nicht gelernt oder verlernt darauf zu vertrauen, dass einer, der stärker ist als wir uns auf diesen schwierigen Wegen begleiten und helfen wird.

Bei der Sommerolympiade in Moskau 1980 – also noch in der Sowjetunion – lehnte die damalige Regierung die Abhaltung der Paraolympics – der Olympiade für Menschen mit Einschränkungen – ab.

Denn in der Sowjetunion gab es offiziell keine Behinderung. Das passte nicht in die Ideologie der wunderbaren Sowjetmenschen! Natürlich gab es Behinderte, aber sie wurden weggesperrt – eine Mutter erzählte mir vor ein paar Jahren in Minsk von ihrem riesigen Schock als sie ihr Kind mit DownSyndrom gebar – sie hatte das vorher nie gesehen.

Natürlich ist das Leben mit Behinderung für die Betroffenen und ihr Umfeld herausfordernd , aber diese Menschen können uns viel über Gottes Liebe erzählen, wenn sie geborgen und sicher leben dürfen.

In einer Welt, die nur nach Perfektion und Gewinn aus eigener Kraft strebt und vergessen will, das ein Größerer als wir für unser Dasein verantwortlich ist, hat das aber keinen Wert.

Jesus war ein echter Mensch – Gottes Sohn, Gott selbst ist nicht als Pseudomensch auf die Erde gekommen. Seine Angst am Ölberg und am Kreuz zeigen das deutlich. Aber Jesus lässt sich von seiner Angst nicht beherrschen, sie beeinflußt seine Entscheidungen nicht. Er weicht nicht aus, wenn es anstrengend, unharmonisch oder gar unangenehm werden könnte!

Er geht – man hat oft den Eindruck ganz bewußt und gewollt – auf Menschen und Situationen zu, die schwierig sind. So wie in der Begegnung mit der Samariterin. Zwischen den Samaritern und den Juden gab es lange Spannungen und Feindschaft, weil jeder für sich den wahren Glaubensweg beanspruchte. Sie überhäuften sich mit gegenseitigen Vorurteilen.

Jesus geht auf die Frau zu, mit Respekt und Ehrlichkeit; er idealisiert sie nicht, er heuchelt kein Mitleid mit einem Opfer von Vorurteilen und macht sie nicht zur Heiligen. Er respektiert ihre guten und weniger guten Seiten, er behandelt sie wie einen Menschen seinesgleichen und dafür wird sie ihn respektieren, ihn bewundern und an ihn glauben.

Das wäre der richtige Umgang mit Vorurteilen – Respekt und Ehrlichkeit dagegenhalten! Das wäre der richtige Umgang mit unserer Ängstlichkeit – nicht ausweichen und auf Gottes Hilfe vertrauend zupacken! Ich wünsche uns allen Mut dazu!

Zivilcourage

Wir sind nicht täglich mit Fällen von Rassismus konfrontiert, wenn wir in unserem Alltag nach Zivilcourage fragen.

Aber es sind die Rechte von Minderheiten, Zuwanderern, Randgruppen ( Menschen mit Einschränkungen, alte, schwer kranke Menschen, Frauen) – die uns im Alltag zur Zivilcourage herausfordern können.

Oft wird das mit Heldenmut und Tapferkeit in außergewöhnlichen Situationen verwechselt – das Verhalten von P. Maximilian Kolbe in Ausschwitz – als er für einen Familienvater zum Sterben in den Hungerbunker ging – oder Martin Luther King, der sich für die rechte Afroamerikanischer Menschen in den USA einsetzte – das war mehr als Zivilcourage, das war Heldentum.

Heute reden wir aber vom „aufrechten Gang“ im Alltag – von Menschen, die nachdenken und wissen, was im Leben wirklich wichtig ist.

von Menschen, die ihre Lebensziele gut überlegt haben und nicht bereit sind sie so einfach aufzugeben, weil die Mehrheit anderer oder gar keiner Meinung ist (was die Leut reden!)

  • weil es nicht cool bzw. angesagt ist, sich an Werten zu orientieren und nicht am Zeitgeist, an der aktuellen Mode
  • weil es zu Problemen führen könnte.

Eine Freundin hat mir kürzlich einen Witz – mit ernstem Inhalt – erzählt: Weißt du was ein Mensch mit Rückrat ist? Er hat einen Wirbel nach dem anderen! (Und damit war nicht der Knochenaufbau gemeint!)

Menschen mit Zivilcourage sind solche, die bereit sind Verantwortung zu übernehmen:

Verantwortung kommt von ANTWORTEN – das heißt:

  • Hinschauen und nicht wegschauen wenn Probleme uns in Frage stellen
  • Darauf reagieren und nicht verdrängen
  • Besonnen, gut informiert und gerecht reagieren

Wie schafft man das?

Ich kenne Menschen mit Zivilcourage – was sie kennzeichnet ist, dass sie Menschen sind, die an etwas glauben – an Gott oder eine humanitäre, menschliche Weltanschauung.

Sie glauben an den Menschen, an die Würde jedes einzelnen Menschen und sie sind nicht bereit das für eine Mode oder für eine Angst vor dem Spott und dem Unwillen der Umwelt aufzugeben.

Je mehr Bürger mit Zivilcourage ein Land hat, desto weniger Helden wird es einmal brauchen. (Franca Magnani)

Das heißt, jeden Konflikt, den wir mit Mut angehen und lösen, erspart uns einen Krieg!

Barbara Greinöcker, Pfarrassistentin

Neujahrswünsche

 

Das, was wir uns wünschen, muß nicht das sein,

was uns gut tut.

Möge ein Weiser uns geben,

was unsere Sehnsucht stillt!

 

Ein gesegnetes Neues Jahr 2014!

 

Barbara